Review SPH-Halbfinale

Nach bereits vier sehr starken Bands versuchten nun die Jungs von ¡TILT! Ihr Glück. Allerdings überließen sie heute Abend nichts dem Zufall und schon gar nicht Glück. Ihre bärenstarke Performance baute auf solide Drums, einen groovigen Bass und eine sehr angenehme und super eingesetzte zweite Stimme, die einzelne Stellen heraus zu stellen wusste und gute Abwechslung bot. Die Show auf der Bühne machten Gitarrist Til „Golden Boy“ Kattke und Sänger Dominik. Zweiter lieferte eine fast perfekte stimmliche Darbietung. Viele Variationen in den Höhen und Tiefen und in der Lautstärke summiert mit seiner Performance machten die fünf Goslarer nicht umsonst zu einem der Highlights des Abends. Auch der Golden Boy mit seiner mehr als auffälligen Gold glitzernden Klampfe bot ein immenses Klangspektrum dar, sodass sich viele im Raum fragen, wo denn eigentlich die zweite Gitarre ist, die sie vermeintlich hören können. All dies machte den Auftritt von ¡TILT! Zu einem rundum gelungenen Auftritt, der ihnen den Platz im Pre-Final bringen sollte. Herzlichen Glückwunsch und macht weiter so!


Artikel über Goselager


Artikel in der Gitarre & Bass (10/2015)


Rezension der RockTimes


Ich glaube, ich tille! Erhielt ich kürzlich zur Begutachtung ein Album namens "Unbalanced" von ¡TILT!. Vorab hatte mich die Band auf einen Video-Clip vom Opener ihres Debütalbums "Mr. White" aufmerksam gemacht. Ehrlich, einen besseren Aperitif hätte mir die Harzer Kapelle kaum servieren können!
Doch wer ist ¡TILT! eigentlich? Die Band stammt aus Goslar und hat mit Til Kattke ein 18-jähriges Gitarrentalent am Start, das trotz seines jugendlichen Alters quasi so was wie der Kopf der Band ist. Gut ein Jahr hat Kattke an seiner Debütplatte 'gewerkelt', hat alle Gitarrenlinien selbst komponiert und eingespielt. Für die Textentwürfe hat er seinen Vater Lenny Kattke beauftragt, der nebenbei auch noch sämtliche Bassläufe beisteuerte. Selbst für seine Mutter, Michaela Auer, hatte der Jungspund eine Aufgabe parat: Sie stellte für einige Lieder ihre Stimme zur Verfügung und kreierte alle Gesangslinien.
Um dem Ganzen ein internationales Flair zu verpassen, hat sich der agile Til die Dienste vom US-Drummer Kenny Aronoff gesichert, der in der Vergangenheit unter anderem mit solch bekannten Rockgrößen wie Iggy PopBob DylanBob Seger oder Elton John spielte und als er seine Frau Georgia 2012 vor dem Traualtar zog, war es kein Geringerer als  Glen Hughes, der als Trauzeuge fungierte. Aronoffs Order, den Familienbetrieb in Takt und auf Trab zu halten, erfüllt er zu meiner vollsten Zufriedenheit - doch leider mischt er nur bei "Navarino" mit. Ansonsten agieren ausschließlich Maxi Gröne oder Clemens Vierow an den Fellen und man kann den interessierten Musikfreund beruhigen: Ich kann keinen großartigen Unterschied zwischen den deutschen No-Name-Schlagzeugern und dem US-Stardrummer feststellen.
Was mir beim Studieren des Line-Up sofort auffällt, ist die Tatsache, dass sich sage und schreibe sechs Vokalisten am Gesangsmikro versuchen, um die zehn Songs eindrucksvoll zu präsentieren. Bereits Denis Brosowski, der den Opener des Rundlings, "Mr. White", textsicher vorträgt, besitzt sehr prägnante, schroffe und leicht Nikotin- und Whiskey-verseuchte Stimmbänder, die bei jeder angesagten Hard Rock-Band Verwendung finden würde. Ich bin mir sicher, Mister Brosowski wird seinen Weg gehen.
Apropos angesagte Hard Rock-Band: Ihr Stil erinnert aufgrund ihrer gebotenen Dynamik, ihrem Funk und klassischen Rock, zum Teil an die momentan erfolgreiche britische Combo The Brew. Und das, so finde ich, ist wahrlich kein schlechter Vergleich. Tils Mutter Michaela steuert zur Hälfte des Albums den Gesang bei und bezüglich ihrer Sangesqualität sage ich: Til, Du kannst Dich glücklich schätzen, so eine Rockröhren-Mutti an Deiner Seite zu wissen und sehr stolz auf Deine Frau Mama sein! Als Hörprobe und Anspieltipp empfehle ich "Almost".
¡TILT! ist eine sehr agile Band, der mit "Unbalanced" ein bemerkenswertes Debüt gelungen ist. Ebenso bemerkenswert sind die Gitarrenkünste vom gerade erst dem Jugendalter entsprungenen Til Kattke. Beweist er jetzt schon internationales Format, bin ich ernsthaft gespannt, was er dem Musikfreund künftig noch alles zu bieten hat. Auch all die anderen mitwirkenden Musiker wissen komplett zu überzeugen. Gespannt darf man sein, ob sich die Band live auch von ihren sechs SängerInnen begleiten lässt. Sei es wie es sei, ¡TILT! haben mich zu 100% überzeugt und da ich die Goslarer Kapelle weiterhin fest im Auge behalten werde, kann ich problemlos eine Kaufempfehlung aussprechen.
Mike Kempf, RockTimes 07.06.2015
http://rocktimes.de/gesamt/t/tilt_de/unbalanced.html

Artikel in der Goslarschen Zeitung